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Die Entzifferung
Im Jahr 1821 entdeckte Champollion, während der Arbeit mit dem Rosette-Stein, in den durch einen Ring (Kartusche)
umgebenen Schriftzeichen tatsächlich an der Stelle der den beiden griechischen Namen gemeinsamen Konsonanten p, t
und l jedesmal die gleichen Hieroglyphenzeichen. Die ägyptische Schrift mußte also alphabetische Buchstaben,
zumindest Konsonanten, besitzen!
Champollions Durchbruch geschah allerdings am 14. September 1822, als er an einer Tempelinschrift von Abu Simbel arbeitete.
Bis dahin waren nur Namen und Begriffe aus der griechischen Periode der Spätzeit entziffert worden. Jedoch datierten
die ältesten ägyptischen Hieroglyphen bereits aus der Zeit um 3000 v. Chr. Champollion fragte sich, ob die
Schrift von alters her überwiegend phonetisch gewesen war oder ob die Lautsymbole eine spätere Entwicklung
darstellten. Im Zuge seiner Arbeit stieß er auf eine Kartusche mit einem Namen, der noch nicht entziffert war,
dem altägyptischen Brauch zufolge aber der eines Pharaos sein mußte. Er erkannte die beiden letzten Zeichen
als s-s, für das davor setzte er aufgrund von früheren Studien den Doppelkonsonanten ms ein.
Das erste Zeichen war das Ideogramm des Begriffs "Sonne" (Champollion wußte, daß im Koptischen das
Wort für "Sonne" re war. Re-ms-s-s. Der Gedanke an Ramses, den Pharao der 19. Dynastie, lag nahe.
(Im Hieroglyphischen bleiben die Vokale weitgehend unberücksichtigt. Mehr dazu unter Hieroglyphen)
Champollion studierte eine weitere Kartusche, die ebenfalls die Lautzeichen ms und s enthielt. Diesmal war das erste
Zeichen ein Ideogramm des Vogels Ibis, der dem Gott Thot heilig ist. Davon ausgehend, daß der Ibis für den
Götternamen stand, sprach Champollion vor sich hin: "Thot-ms-s." Er hatte die Lösung - Thutmosis, den
Namen eines anderen Königs.
Champollion hatte die Grundzüge der Entzifferung dargelegt. Es kostete ihn noch weitere zehn Jahre, bis er die
Schrift vollständig entschlüsselt hatte.
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© Sebastian Niedlich
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